HORUS
Eine Selbsthilfegruppe für
in der Kindheit sexuell
missbrauchte Männer



Sexueller Missbrauch

Wenn du sexuell missbraucht worden bist, bist du nicht allein. Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder zwölfte bis zwanzigste Junge werden missbraucht bevor sie 16 Jahre alt sind. (siehe z.B. Dirk Bange: Das alltägliche Delikt: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen; zum aktuellen Forschungsstand in Zart war ich, bitter war's) Sexueller Missbrauch ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurde in den USA und dem westlichen Europa begonnen, an dem uralten Schweigegebot zu rütteln.

Täter können sein
Männer, Frauen, Väter, Mütter, Großväter, Großmütter, Stiefväter, Stiefmütter, Geschwister, Onkel, Tanten oder alle anderen Verwandten, NachbarInnen, Freunde oder Freundinnen der Familie, LehrerInnen, TrainerInnen, ErzieherInnen, JugendleiterInnen, Vorgesetzte oder KollegInnen, MitschülerInnen, PfarrerInnen, ChorleiterInnen. Eigentlich jeder. In den weitaus meisten Fällen sind die Täter mit dem Opfer verwandt oder bekannt.

Was passiert bei sexuellem Missbrauch?
Zunächst eine Grenzüberschreitung. Überschritten werden intime Grenzen des Opfers. Die TäterInnen missbrauchen ihre Macht zur Befriedigung eigener Gelüste. Machtgebrauch wird oft, keineswegs immer, maskiert. Häufig beuten die TäterInnen zärtliche Bedürfnisse des Opfers – z.B. die Freuden des Kuschelns im Bett – aus oder sie tun so, als sei alles ganz normal oder Zufall – z.B. die gezielt Grenzen verletzende Berührung oder der in die Intimität eindringender Blick – aber auch die Anwendung offener, brutaler Gewalt ist nicht so selten, wie man gerne hoffte. Hinter den Masken der engagierten Jugendgruppenleiterin oder des fürsorglichen Familienvaters wägen TäterInnen die Risiken der Entdeckung der von ihnen geplanten sexuellen Ausbeutung oft genau ab und bereiten die Opfer gezielt vor, z.B. indem sie deren Wünsche und Ängste erst erkunden und dann gezielt ausnutzen.

Der Täter, die Täterin haben die alleinige Verantwortung am sexuellen Missbrauch.
Dies gilt auch dann, wenn das Mädchen oder der Junge sexuelle Lust verspürt haben sollte. Nicht selten gibt es Mitwisser oder Mithelfer, die den Täter bewusst oder unbewusst decken. Sei es die Ehefrau, die sexuelle Begierden ihres Mannes von ihr selbst abgelenkt weiß, oder sei es die Mutter, die den um Hilfe flehenden Satz ihres Kindes, Mama, der Opa macht da so komische Sachen, mit einem kalten Ach, das ist normal abschneidet, oder sei es die Mutter, deren Kinderliebe durch einen plötzlich extrem schwierigen, weil ohne ihr Wissen missbrauchten, Jungen außerordentlich belastet wird.

Normal ist, dass das missbrauchte Kind, der Heranwachsende und der spätere Erwachsene sich an diese mit extremen Gefühlen behafteten Erlebnisse kaum oder gar nicht erinnern können. Normal ist, dass sich das missbrauchte Kind allein gelassen fühlt und nach Hilfe sehnt. Normal ist, dass dem missbrauchten Kind die Begriffe fehlen, um das schreckliche Geschehen deuten zu können.

Die Folgen des sexuellen Missbrauchs
Sie sind fast immer tiefgreifend und sie dauern an, bis das Opfer beginnt, seinen eigenen Gefühlen zu trauen und sich dadurch aus der Opferrolle zu befreien. Die Auswirkungen der erlebten Ohnmacht erschüttern das Vertrauen des Kindes in die eigene Umgebung, in sich selbst, erheblich und die Wiederherstellung dieses so grundlegenden Vertrauens gelingt in aller Regel nicht ohne professionelle Hilfe.